Wegen der Kulturhoheit gibt es allein in den deutschen Bundesländern schon Unterschiede im Bildungssystem. Ein Schulwechsel fällt deswegen oft nicht leicht. Viel größere Veränderungen erwarten jedoch diejenigen, welche einen Schüleraustausch im europäischen Ausland planen. Aufgrund der Weltsprache Englisch ist Großbritannien oft ein beliebtes Ziel.
Das englische Bildungssystem sieht im Gegensatz zum Deutschen nur elf Pflichtschuljahre vor. D.h., dass ein englischer Schüler mit 16 bereits eine abgeschlossene Schulbildung besitzt. Im Alter von fünf bis 16 Jahren besteht zwar eine Erziehungs- und Ausbildungspflicht aber keine Schulpflicht! Dies bedeutet, dass Kinder bis zu einem Alter von 16 Jahren auch zu Hause unterrichtet werden können. Normalerweise besucht man aber eine sogenannte „Primary School“ im Alter von fünf bis elf Jahren. Je nach regionalen Unterschieden nennen sich diese auch „First-“ oder „Infant School“. Danach folgt die „Secondory School“, die man mit 16 mit dem „General Certificate of Secondary Education“ (kurz GCSE) abschließt. Durch die Einführung des Nationalen Curriculums 1988 ist die Schullaufbahn in vier Phasen gegliedert, in denen unterschiedliche Fächerkombinationen Pflicht sind. In den ersten beiden Phasen sind alle Fächer des Nationalen Curriculms verpflichtend. Darunter sind Standardfächer wie Englisch, Mathematik, und Naturwissenschaften aber auch Informationstechnologie oder Design & Technik. Später kann man unterschiedliche Schwerpunkte wählen, wobei man bestimmte Auflagen erfüllen muss. Die Standardfächer bleiben weiterhin Pflicht, sowie eine Fremdsprache und Technik. Des weiteren muss mindestens ein geisteswissenschaftliches und ein künstlerisches Fach gewählt werden. An manchen Schulen ist es sogar möglich, Prüfungen in allen elf Fächern abzulegen.
| "Key Stages" | Alter |
| 1 | 5-8 |
| 2 | 8-11 |
| 3 | 11-14 |
| 4 | 14-18 |
Im Gegensatz zur „Secondary School“ werden die Schüler während der „Primary School“ von einem Lehrer in allen Fächern unterrichtet, danach unterrichten die Lehrer nur noch ein Fach. Sie sind dementsprechend hoch spezialisiert auf ihr Fachgebiet, haben aber dafür auch mehr Zeit für die individuelle Betreuung ihrer Schüler. An vielen Schulen gibt es außerdem Kurse je nach Leistungsniveau der Schüler. Ein sogenanntes Wiederholungsjahr, im deutschen Volksmund so schön als „sitzen bleiben“ verpönt, kennt man in England eigentlich nicht. Es gibt zwar Schuljahre, dennoch belegen die Schüler pro Jahr einzelne Kurse. Wenn einer nicht bestanden wurde, können sie im nächsten Jahr nicht den Aufbaukurs besuchen und müssen gegebenenfalls den alten Kurs wiederholen. Der Vorteil ist, dass man nicht aufgrund von allein zwei Schulfächern ein ganzes Jahr wiederholen muss!
Eine weitere Besonderheit des englischen Schulsystems ist, dass im Schulalltag keine Klausuren sondern nur Tests geschrieben werden. Die Klausuren werden unabhängig von den Schulen gestellt, da für diese eigenständige Prüfungsausschüsse verantwortlich sind. Die jeweiligen Schulen oder lokalen Bildungsbehörden („Local Education Authorities“ = LEA) können sich den Prüfungsausschuss selbst aussuchen. Es gibt also keine einheitlichen Prüfungen und auch die Lehrpläne können sich sogar von Fach zu Fach unterscheiden.
