Das Internationale Baccalaureate, kurz IB, wird seit 1968 angeboten. Der Grundgedanke des international anerkanntem Abschluss war es, Diplomaten-Kindern die Chance zu geben weltweit ihren schulischen Werdegang erfolgreich abschließen zu können. Mittlerweile gibt es tausende IB Schulen auf der ganzen Welt. In Deutschland ist die bekannteste die Schule Schloss Salem. Die Prüfungssprachen sind entweder Englisch, Spanisch oder Französisch. Das Abitur wird weltweit zur gleichen Zeit geschrieben (je nach Zeitzone), damit Betrugsversuche ausgeschlossen werden können. Die Prüfungen finden für die Nordhalbkugel im Mai, für die Südhalbkugel im November statt.
Das zweijährige Curriculum des IB Diploma schreibt vor, dass Schüler sechs Fächer aus mindestens fünf verschiedenen Themenbereichen wählen. Darüber hinaus muss jeder IB Diploma Schüler eine Facharbeit, das so genannte Extended Essay schreiben, einen Diplomaufsatz über mindestens 4000 Wörter. Fach und Thema sind hier frei wählbar. Zusätzlich muss der Schüler den Kurs Theory of Knowledge, TOK,absolvieren, der kritisches und internationales Denken anregen soll. Hier werden Präsentationen vorgetragen, Aufsätze geschrieben und vor allem viel diskutiert. Als Abschlussarbeit wird auch hier ein TOK- Aufsatz gefordert. Das Thema ist wieder frei wählbar, jedoch muss dieser nur einen Rahmen von ca. 1200 Wörter umfassen.
Außerhalb der Schulzeit müssen die Schüler außerdem mindestens 150 Stunden Creativity, Action, Service, kurz CAS, bescheinigt bekommen, in denen sie sich an sportlichen, künstlerischen und allgemeinnützigen Aktivitäten beteiligen, wie etwa Sozialarbeit im Kindergarten.
Der Schüler muss auf jeden Fall ein Fach aus jeder der sechs Fachgruppen belegen. Drei davon im Higher Level, HL, und drei als Standard Level, SL.
Die Fächer der Gruppen 1 bis 6 werden jeweils mit bis zu sieben Punkten bewertet, wobei sieben excellent bedeutet, und mindestens vier Punkte zum Bestehen pass notwendig sind. Für ToK und Extended Essay werden bis zu drei weitere Punkte vergeben, so dass die maximal erreichbare Punktzahl bei 45 Punkten liegt. 42 bis 45 Punkte entsprechen der Abitur-Durchschnittsnote 1,0 in Deutschland, 36 Punkte einer 2,0, 30 Punkte einer 3,0 und 24 Punkte einer 4,0. Oxford und Cambridge verlangen bei Studienbewerbern eine Mindestpunktzahl von 38 Points. Generell gilt das IB mit 23 oder weniger Punkten als nicht bestanden. Das IB wird auch nicht anerkannt, wenn man ein Standard Level mit drei oder weniger als drei Punkten geschrieben hat. Im Higher Level gelten die gleichen Bedingungen, nur, dass da die Gesamtnote des Faches nicht niedriger als zwei Punkte sein darf. Deutschland unterliegt speziellen Fächerkombinations-Kriterien. Kann man die Teilnahme am TOK Unterricht oder die beglaubigten Sozialstunden (CAS) nicht nachweisen, oder hinterlegt man kein Extended Essay, wird man nicht zu den Prüfungen zugelassen.
Solange man nicht beim Betrügen (hierbei zählt auch z.B. das Kopieren von Texten für seinen Extended Essay) erwischt wurde und nur wegen unausreichender Punktzahl sein Abitur nicht bestanden hat, kann man einzelne Fächer in der darauf folgenden Session nachholen. Weiterhin ist es auch möglich, eine Recorrection anzufordern. D.h. wenn man ein unerwartet schlechtes Ergebnis in einer Prüfung geschrieben hat, kann man, gegen Zahlung (ca. £ 90 pro Arbeit), eine erneute Korrektur anfordern. Das zählt für alle Fächer und schriftlich gesonderte Arbeiten. Die mündlichen Prüfungen finden in der Schule statt. Diese werden aufgenommen und später nach der zentralen Bewertung noch einmal neutral gegen gewertet. Hier ist eine Recorrection nicht möglich.
Dadurch, dass alle Arbeiten erst zur Verwaltungsstelle nach Genf geschickt werden und von dort aus dann an insgesamt sieben verschiedene Prüfer pro Arbeit weitergeleitet werden, erhält man das offizielle Zertifikat erst nach ca. vier Monaten. Die Prüfungsergebnisse können aber bereits zwei Monate vorher im Internet (www.ibo.org) mit Hilfe seiner Candidate Number und einem Passwort abgefragt werden.
