Ein Schuljahr in Frankreich

Nogent le Rotrou

Eiffelturm

Die Schülerin Nadine Brückner fasziniert es, Fremdsprachen zu lernen. Sie verbrachte daher das Schuljahr 2005/2006 an einer französischen Schule in Nogent-Le-Rotrou, einem kleinen Ort zwischen Paris und Le Mons. Warum sie sich für Frankreich entschieden hat und welche Erfahrungen sie gesammelt hat, soll hier berichtet werden.

Ein Schuljahr in Frankreich zu absolvieren lag für Nadine sehr nah, denn sie hatte schon immer Spaß an der französischen Sprache. Weil ihre Tante in Frankreich wohnt, ist sie auch schon oft in das Land gereist und hat dort viel Zeit verbracht. Dabei kam ihr die Idee, ihr Schulfranzösisch zu verbessern und gleichzeitig für eine Weile das zu Hause in Deutschland zu verlassen. „Ich wollte unbedingt etwas Aufregendes erleben und neue Erfahrungen sammeln – die beste Lösung war ein Austauschjahr in Frankreich“, sagt die Schülerin.

Da sich Nadine jedoch auch für andere Fremdsprachen interessiert, dachte sie auch über weitere Länder als Aufenthaltsorte nach. Allerdings schloss sie das englischsprachige Ausland schnell aus. „Ein Aufenthalt in den USA oder Großbritannien ist sehr teuer – ein solcher Kostenaufwand kam für mich nicht in Frage“, erklärt sie. So entschied sich die Gymnasiastin gegen die beliebtesten Schüleraustauschsziele und wagte es, in ein Land zu gehen, für das sich nur wenige deutsche Schüler entscheiden. Während ihres Aufenthalts hat sie jedoch eine Freundin aus den USA gewonnen, die Nadine dort gerne besuchen möchte. So kann sie dem Wunsch, in die USA zu reisen, letztendlich doch noch nachkommen.

Während ihres Aufenthalts in Frankreich hat Nadine dann bei ihrer Tante wohnen können, was für sie sehr praktisch war. Mit der französischen Sprache ist sie anfangs erst schwierig zurecht gekommen. „Ich habe zwar alles verstanden, aber mit dem Reden war es schon etwas komplizierter“. So hat sie erst nach vier Monaten angefangen, fließend französisch zu sprechen. Der Französischunterricht hat sie dabei nach eigenen Angaben nicht gut vorbereitet. Doch die Franzosen haben sie trotzdem auf die eine oder andere Art verstanden. Gleichzeitig widerlegt Nadine das typische Vorurteil des schlechtgelaunten, intoleranten Franzosen gegenüber den Deutschen. „Meine Mitschüler waren alle sehr nett. Ich habe dort schnell Anschluss gefunden und wurde auch von allen sofort akzeptiert.“

Eiffelturm

Zu den Unterschieden zwischen dem deutschen und dem französischen Schulsystem erklärt Nadine, dass der Unterricht in Frankreich meist viel länger ist und sie meistens Doppelstunden hatte. Auf Pünktlichkeit und Anwesenheit wird in Frankreich sehr viel Wert gelegt. „Ist man zwei Minuten zu spät, wird man direkt des Unterrichts verwiesen oder weggeschickt und schließlich in einen speziellen Unterricht gebracht“, erzählt die Schülerin. „Ungewohnt war auch, dass der gesamt Schulbereich eingezäunt war und man das Gelände nur mit einer Karte betreten konnte.“ Nadine hat ihre Mittagspausen immer an ihrer französischen Schule verbracht, wie es die Schüler in Frankreich generell tun. Der Unterricht ging bei ihr immer bis in den Nachmittag. Die wenige Freizeit, die Nadine auf Grund der langen Schultage hatte, verbrachte sie mit Framilienausflügen oder in Sportkursen an der Schule.

Zu dem Prüfungssystem berichtet die Deutsche, dass oft unangekündigte Tests geschrieben wurden und die Anzahl der Prüfungen insgesamt viel höher war als an ihrer Heimatschule. Zum Ablauf des Abiturs in Frankreich erklärt Nadine: „In Frankreich wird man, verteilt über zwei Jahre, in jedem Fach geprüft. Die Fächer, in denen man bereits in der Lère geprüft wurde, muss man in der Terminale nicht mehr belegen. Allerdings bekommt man auch zwei oder drei neue Fächer hinzu. Es gibt also wesentlich mehr Prüfungen als in Deutschland, wo es ja derzeit fünf Fächer sind, in denen man geprüft wird.“

Die Mentalität der Franzosen hat Nadine auch sehr beeindruckt. Sie berichtet, dass in Frankreich jeder offenherzig begrüßt und aufgenommen werde. Die Leute seien sehr hilfsbereit und jeder packe mit an, wenn es ein Problem gäbe. „Die Franzosen legen großen Wert auf Zusammenhalt“, erklärt sie. Einen weiteren großen Unterschied sah Nadine in dem französischen Essen. „Wenn Feste anstehen, geben sich die Franzosen sehr viel Mühe beim Kochen“, berichtet sie. „Es ist normal, dass man mehrere Stunden zusammen sitzt und isst. Es werden unzählige Gänge aufgetischt, und zu jedem Gang wird selbstverständlich der passende Wein serviert.“ Auch in anderen Bereichen seien die Franzosen anders als die Deutschen. Zum Beispiel sei für sie ein Auto nur ein Gebrauchsgegenstand, bei dem es unwichtig sei, ob dieser dreckig oder verbeult ist.

So hat die deutsche Schülerin in einem Jahr viele Erfahrungen im Ausland sammeln können. Als sie wieder nach Deutschland zurückkehrte, musste sie das Schuljahr in ihrer Heimatschule nicht wiederholen und konnte direkt in die zwölfte Klasse einsteigen. Die Eingliederung in den deutschen Alltag empfand sie jedoch teilweise als schwierig: „Meine Freunde hatten durch ihre Schulwechsel viele neue Leute kennengelernt, die ich nicht kannte und an den deutschen Trott musste ich mich erst wieder langsam gewöhnen.“ Das Auslandsjahr hat Nadine jedoch sehr bereichert und auch ihre beruflichen Zukunftsvorstellungen geprägt. Nach ihrem Abitur 2008 möchte sie Englisch und Französisch in einer Kombination mit Wirtschaft studieren.

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