"Wie in einem amerikanischen High School Film"

New Jersey

Marc war für drei Wochen in Amerika

Für ein Jahr ein High School Year in den USA absolvieren? Klingt reizvoll, ist aber nicht jedermanns Sache. Für diejenigen, die gern nach Amerika wollen, denen aber ein einjähriger Auslandsaufenthalt zu lang erscheint, bieten viele Schulen ihren Schülern auch die Möglichkeit an einem kürzeren Schüleraustausch-Programm von drei bis vier Wochen teilzunehmen. Auch Marc Rychatrik (22) machte bei so einem Austauschprogramm mit und besuchte im Frühjahr 2001 New Jersey. Abitur-Ausland.de hat er im Interview von seinen Erfahrungen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erzählt.

Warum wolltest du gern an diesem Schüleraustausch teilnehmen?

Die USA haben mich schon immer interessiert, schließlich wird das Leben dort von allen TV-Programmen hoch gehalten. Und als Teenager ist man für diese ganzen coolen Dinge, die da über das Fernsehen kommen, sehr empfänglich. Zudem ist einem die Sprache als sechszehnjährigem Gymnasiasten geläufig. Außerdem gibt es in dem Alter wohl keine bessere Möglichkeit, in die Staaten zu kommen.

Unsere Schule war Mitglied im so genannten GAPP (German American Partnership Program). Über dieses Programm wurden dann Kontakte zu unserer Partnerschule in Williamstown (New Jersey) geknüpft. Wir waren um die zwanzig Schüler und wurden in verschiedenen Gastfamilien in Williamstown untergebracht. Das funktionierte eigentlich ziemlich reibungslos. Der Flug wurde von unseren Gruppenleiterinnen organisiert, wie eigentlich der gesamte Austausch und das Programm - selbstverständlich in Rücksprache mit uns Schülern.

Man sollte natürlich alle notwendigen Ausweisdokumente, sprich: den Reisepass, dabei haben. Da ist man ja in Amerika sehr penibel. Ohne Reispass geht also gar nichts. Dann sollte man natürlich auch davon ausgehen, dass sich die Temperaturen und die Witterung durchaus von der in Deutschland unterscheiden kann. Gerade, wenn man sich in den Südstaaten, Florida oder in Kalifornien aufhält. Ruhig mal die Wettervorhersage für die nächsten Wochen in "seiner" Region im Internet abrufen. Ist ja alles kein Problem.

Dann sollten natürlich genügend Kleidungsstücke eingepackt werden und auch unterschiedlich dicke Sachen. Ich war im April zum Austausch in New Jersey. Das Klima ähnelt dort sehr stark dem in Deutschland, trotzdem war es die letzten Tage über 30°C heiß.
Zum Thema heiß: die Amerikaner sind besonders prüde. Wenn man beispielsweise im Sommer dorthin fährt, sollte man darauf achten, nicht zuviel Haut zu zeigen. Besonders als Mädchen. Das heißt: keine Spaghetti-Träger-Tops, nicht zu tief ausgeschnittene Tops etc. Es ist angenehmer, potentiellen Stress gleich im Voraus zu vermeiden.

Auf das Handy sollte man ganz verzichten, es sei denn, Geld spielt keine Rolle. Und dann bitte darauf achten, dass das Handy mindestens Triband-fähig ist. Vielleicht besorgt man sich eine günstige Call-by-Call-Vorwahl, um sich doch mal in der Heimat zu melden.
Bei allen elektrischen Geräten, die mitgenommen werden müssen: darauf achten, dass die Steckdosen anders aussehen. Da sollte man sich im Elektrofachgeschäft mal beraten lassen und eventuell einen passenden Adapter kaufen. Ansonsten natürlich genug Speichermedien für Kameras bzw. Fotofilme. Man muss ja schließlich alles festhalten, was das Land der unbegrenzten Möglichkeiten so hergibt.

Wie waren denn deine ersten Eindrücke von diesem Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Nachdem man acht Stunden im Flugzeug saß, ist man erstmal ziemlich angenervt - der berühmte Jetlag; aber natürlich staunt man erstmal. Da reichen schon einfache Dinge aus: Wenn man beispielsweise von einem typisch gelben Schulbus vom Flughafen abgeholt wird, dann über einen Highway fährt und die ganzen großen Autos sieht ist das sehr beeindruckend. Das ganze ging dann in der Schule und bei den Gastfamilien weiter. Man kommt sich vor wie in einem amerikanischen High-School-Film. Das macht schon Spaß

Wie war es für dich, bei einer fremden amerikanischen Familie zu wohnen?

Ich war alleine in einer Familie untergebracht, also ohne einen weiteren Mitschüler. Es war eigentlich ganz toll und sehr lustig. Man muss sich natürlich erstmal daran gewöhnen, dass man in den USA ist und vieles nicht so ist, wie man es aus Deutschland kennt.

Ich denke da an bestimmte "Traditionen" oder Sitten. In Amerika ist es nun mal so, dass man nicht unbedingt zusammen am Tisch sitzt und gemeinsam isst. Man schließt nachts die Autos nicht ab, wenn sie auf der Straße stehen.
Insgesamt war es aber eine positive Erfahrung. Und, was man ehrlich sagen muss: Die Amis sind alle sehr gastfreundlich und neugierig. Man muss viel von Deutschland und Europa erzählen.

Drei Wochen in Amerika. Was hast du gemacht und was gesehen?

Schüleraustausch in die USA

Da wir in Gastfamilien untergebracht waren, deren Kinder größtenteils noch Schüler der Williamstown High School waren, gingen wir mit unseren Gastgeschwistern jeden Tag zur Schule und liefen - gemäß ihres Stundenplanes - mit ihnen mit. Auch das war sehr interessant. Wir hatten jeden Tag eine Stunde, in der wir Deutschen uns trafen, Probleme diskutieren konnten, uns über das Wochenende oder den letzten Tag austauschen konnten oder einfach mal Deutsch sprechen konnten, wie uns der Mund gewachsen war.
Im Unterricht der Gastgeschwister wurde man sehr offen empfangen.

Natürlich sind wir auch gereist. In großer Gruppe, bestehend aus uns Schülern und unseren Gastgeschwistern, waren wir beim Baseball in Philadelphia, beim Bürgermeister von Williamstown, bei der Polizei, an der State University von New Jersey, in Washington D.C. und in New York City. Es wurde also auch wirklich viel unternommen. Mit den Gastfamilien wurde dann individuell an den Wochenenden etwas unternommen. So war ich dann mit meinem Gastbruder noch beim Baseball, mit der ganzen Familie in Philadelphia und in Atlantic City. In diesen drei Wochen hab ich schon sehr viel gesehen.

Was habt ihr euch denn in New York und Washington angeguckt?

Das übliche Sightseeing: In Washington Weißes Haus, Lincoln Memorial, Washington Memorial, Arlington National Cemetary und Central Station. In New York das Empire State Building, 5th Avenue zum Shoppen, United Nations. So viel Zeit hatten wir leider nicht. Es waren ja immer nur Tagesausflüge. Dennoch war das alles sehr beeindruckend!

Wo liegen die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Schulsystem?

Der Unterricht findet in so genannten periods statt. Die sind deckungsgleich zu unseren Schulstunden. In manchen Schulen sind das 90 Minuten. Bei uns in Williamstown waren das gewöhnliche 45 Minuten. Ansonsten sind die Fächer eigentlich sehr ähnlich. Der größte Unterschied ist, dass man nicht innerhalb der Pausen, die nur fünf Minuten lang sind, nicht auf die Toilette darf. Das geht nur in den Unterrichtsstunden - man muss sich im Klassenraum auf einem Zettel abmelden und auch bei einem Lehrer, der in dieser Stunde die Toilette bewacht, anmelden. So wird verhindert, dass in den Toiletten geraucht wird und allerhand anderer Blödsinn angestellt wird.

Hast du noch Kontakt zu deiner Gastfamilie?

Nein, mittlerweile nicht mehr. Anfangs haben wir noch des Öfteren telefoniert, aber das hat sich dann auch irgendwann gelegt. So ist es halt. Der Austausch ist ja auch mittlerweile schon sechs Jahre her.

In deinem dreiwöchigen Aufenthalt hast du ja schon eine Menge gesehen, aber die USA sind groß und es gibt noch vieles mehr zu sehen. Würdest du gern noch mal in die USA reisen?

Ja, ich würde gerne noch mal in die Staaten reisen. Dann würde ich allerdings gern ein paar Monate mit dem Auto quer durchs Land fahren, im Osten anfangen und nach Westen durch. Am liebsten über die Route 66 und alles mitnehmen, was mich interessiert. Aber das wird wohl noch eine Weile ein Traum bleiben.

Danke für das interessante Gespräch.

Von Julia von der Heyden

Abitur-Ausland.de


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