In Amerika hat jeder ein Talent

Texas

Martha im Interview auf der Jubi

Im Rahmen der Jugendbildungsmesse in Magdeburg trafen wir bei dem Aussteller Experiment E.V. Martha Burckhardt (18), die von August 2004 bis Juni 2005 ein High School Year in Texas absolviert hat. Abitur-Ausland.de hat sie erzählt, wie sie das Stipendium für den Auslandsaufenthalt bekommen hat und was für Eindrücke sie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gesammelt hat.

Martha wollte schon immer ein High School Year im Ausland antreten. Über das Dialog Zentrum hat sie sich schließlich für ein Stipendium für einen Aufenthalt in den USA beworben. „Ich bin einfach auf die Internetseite gegangen und habe dort einen Fragebogen ausgefüllt.“ Zusätzlich musste Martha noch einen Lebenslauf anfertigen und ihre Beweggründe für ein High School Year niederschreiben.

Aus zahlreichen Bewerbungsbögen für solch ein Stipendium wurden schließlich zehn Schüler ausgewählt, die dann wiederum ein nächstes Auswahlverfahren durchlaufen mussten. Unter ihnen war auch Martha. Nur drei von zehn Anwärtern würden am Ende das Stipendium bekommen.

„Zu diesem Auswahltest kamen eine Menge Leute, die dann beurteilten, wer von uns geeignet war.“ Der Politiker Uwe Küster, ein Amerikaner, ehemalige Austauschschüler und die ehrenamtliche Organisationsmitglieder nahmen die Schüler genau unter die Lupe. Martha musste zunächst eine Präsentation über sich selbst und anschließend über ihren Heimatort vorführen. „Das war eben die Art, wie man sich bei den Veranstaltern vorgestellt hat.“ Nach dieser Selbstdarstellung wurden mit den Teilnehmern Gruppengespräche geführt, es gab einen Allgemeinwissen-Test und schließlich ein Einzelgespräch auf Englisch.

„Ich sollte bei diesen Gesprächen beispielsweise menschliche Eigenschaften nach ihrer Wichtigkeit sortieren oder die Partnerstädte Magdeburgs benennen. Die wusste ich übrigens nicht und ich war auch im Allgemeinwissen gar nicht so gut.“

Dennoch, Martha bekam das Stipendium und wurde wenige Wochen später von der Organisation Experiment E.V. auf ein Vorbereitungsseminar eingeladen. „Das Ganze dauerte vier Tage und sollte uns auf die Reise einstimmen.“ In diesem Seminar bekamen die Schüler die amerikanische Kultur näher gebracht, ehemalige Austauschschüler erzählten von ihrem High School Year und den Teilnehmern wurden nützliche Tipps für den Aufenthalt in einer Gastfamilie mit auf den Weg gegeben. „Es gab auch so eine Art Psychotest mit Namen Traumreise. Alle Teilnehmer mussten sich hinlegen und entspannen. Mit netter Stimme wurde uns dann von unseren letzten Tagen in Deutschland und den ersten Tagen in den USA erzählt. Das war alles sehr emotional. So konnte man ein Gefühl dafür bekommen, wie es dann sein wird. Nach diesem Spiel sind dann auch ein paar Kandidaten abgesprungen – sie haben wohl gemerkt, dass wird nicht so das Richtige für sie sein.“

Wir wollten von Martha wissen, warum sie sich für Amerika entschieden hat. „In unserer Schule haben wir immer viele Austauschschüler aus Amerika gehabt. Die waren alle sehr nett – ganz entgegen der Vorurteile, sie seien oberflächlich.“ Eines stand für Martha von Anfang an fest, sie will in den englischsprachigen Raum, da sie die Sprache auch beherrscht. „Ich wollte nicht nach Spanien oder Frankreich, wo ich dann aufgrund der Sprachbarrieren vielleicht nicht so weit komme. Außerdem ist die amerikanische Kultur ja doch der unseren sehr ähnlich.“ England kam für die Schülerin aus Magdeburg nicht in Frage, weil sie auf der britischen Insel schlechtes Wetter befürchtete und lieber etwas weiter weg wollte. „Nach England kommt man ja immer noch mal.“

Aussteller Experiment E.V. auf der Jugendbildungsmesse in Magdeburg

Bereits im Vorbereitungsseminar wurden die Schüler darauf vorbereitet, dass es durchaus auch Probleme mit der Gastfamilie geben kann. Auch Martha musste diese Erfahrung machen. Ihre Gasteltern waren mit 65 Jahren schon etwas älter. „Eigentlich waren sie wirklich nett und sehr bemüht, aber mit meinem Gastpapa gab es öfter mal Streit. Er war manchmal sehr streng. Ich wollte ja sehr viel unternehmen und viel kennen lernen, wenn ich schon mal in Amerika bin. Er war dann oft sauer und enttäuscht, weil ich häufig unterwegs war. Über Weihnachten hat er dann auch mal zwei Wochen gar nicht mit mir gesprochen.“ Ansonsten kann Martha eigentlich nur Gutes über die amerikanische Mentalität erzählen. Nett, interessiert und sehr gastfreundlich hat Martha die Amerikaner erlebt. „Wenn ich im Supermarkt war und Leute meinen Akzent hörten, sprachen sie mich sofort an und wollten wissen, wo ich denn herkomme. Oft hat man sich dann lange mit diesen Leuten unterhalten – sie sind wirklich sehr interessiert. Ich glaube während des ganzen Jahres in Amerika habe ich nur zwei unfreundliche Leute getroffen.“

Martha besuchte in Texas eine High School und fand schnell großen Gefallen am amerikanischen Schulsystem, das mit dem deutschen kaum zu vergleichen ist. „In Amerika gibt es keine Gymnasien oder Hauptschulen. Hier gibt es Gesamtschulen, wo Schüler jeder Art zusammen lernen - sogar behinderte Schüler, die ja in Deutschland eher auf Sonderschulen lernen.“ Das Bildungssystem im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erscheint manchmal durchaus einfacher. „Ich würde es so beschreiben: In Amerika kannst du relativ einfach eine sehr gute Bildung bekommen. Man kann es aber auch sehr einfach haben, wenn man das will. Jeder kann sich seine Kurse selbst zusammenstellen.“ Ein Markenzeichen der Schulen ist auch das so genannte „School Spirit“. Jeden Freitag gab es an Marthas Schule Sportveranstaltungen bis spät in die Nacht. „Gleich, ob Sport oder Wahl zum Homecomming King, es war immer die ganze Schule dabei. Zusammenhalt steht dort sehr hoch im Kurs.“

Nach einem Jahr auf der High School zieht Martha ein positives Fazit: „Das Beste ist, es gibt für alles Stipendien, Auszeichnungen und Preise. Man ist im Chor, Debattierclub oder im Sportverein, weil man dort seine Sache gut macht. Und in Amerika wird man eben dafür auch gelobt und ausgezeichnet. Jedem Schüler wird vermittelt, dass er gut in mindestens einer Sache ist. Hier hat jeder ein Talent.“

Von Julia von der Heyden

Abitur-Ausland.de


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